Dez 032013
 

Der Ausschuss ist weg. Das ist mein Highlight der letzten Mitgliederversammlung von Wikimedia Deutschland.

Eine Arbeitsgruppe hatte in den letzten Wochen Änderungsvorschläge für das Förderprogramm CPB entwickelt, das seit seiner Einführung 2011 mehr Probleme als Erfolge aufzuweisen hatte und das dringend reformiert werden musste. Ich bin nicht ganz unschuldig an der Einführung des CPB und ich frage mich, warum Sebastian Moleski und ich als Antragsteller für die Umsetzung einer damals neuen Idee – finanzielle Förderung für Projekte aus der Wikipedia für die Wikipedia – auf hergebrachte Strukturen und Verfahrensweisen zurückgriffen. Offensichtlich fiel uns nichts besseres ein, als einen Ausschuss zu gründen, einen konventionellen, bürokratischen, behäbigen Ausschuss. Um den und in dem es dann auch unverzüglich zu Differenzen kam.

Die Arbeitsgruppe zur Zukunft des CPB hat gelesen, analysiert, diskutiert und dann eine Empfehlung für die Mitgliederversammlung erarbeitet. Die war ausgewogen, baute aber grundsätzlich auf dem bestehenden System auf. Der Name wird geändert, der Ausschuss sollte um mehr Community-Mitglieder erweitert werden, zusätzliche Unterstützungsmöglichkeiten für die Antragstellung und Realisierung werden angeboten. Aber reicht das, um die erkannten Probleme anzugehen und zu mehr Anträgen und in der Folge zu mehr erfolgreichen Projekten zu kommen? Ist das nicht ebenso oldschool wie der ursprüngliche Ansatz?

Sebastian reichte einen Änderungsantrag ein, der darauf abzielte, den CPB-Ausschuss abzuschaffen und stattdessen die Community über die beantragten Projekte entscheiden zu lassen. Alte Zöpfe abschneiden, Neues versuchen, mutig sein.

Die Entscheidung war sehr knapp, aber letztendlich bewies auch die Mitgliederversammlung ausreichend Mut eine echte Veränderung zu wagen. Und das hoffe ich auch vom neuen Präsidium. An ihm liegt es nun, den Beschluss umzusetzen. Dazu gehört Mut. Mut es einfach und unkompliziert zu machen und Mut, Entscheidungskompetenzen abzugeben. Und dann kommt die Community. Die so lautstark mehr Mitspracherecht einforderte, die Transparenz und Entscheidungsmacht wollte. Sie braucht den Mut diese Verantwortung zu tragen, den Mut diese Herausforderung anzunehmen und als Chance zu begreifen. Und nicht in alten Mustern zu erstarren.

Macht es bitte! Einfach!

Jun 102012
 

Am vergangenen Wochenende, tief im Harz (also janz weit weg) trafen Administratoren aus Wikipedia und Wikibooks und auch einige Interessierte, die die “erweiterten Rechte” (noch?) nicht haben. AdminCon haben wir – die drei Organisatorinnen Poupou, Henriette und ich – die Veranstaltung genannt. Und dabei gehofft, dass sich sowas etabliert, eine Veranstaltung von und für diese ganz spezielle Gruppe von Freiwilligen. Ob das klappt, wussten wir nicht. Denn ein Wochenende unter Admins, geht das überhaupt gut?

Oh ja, es geht. Sogar sehr gut. Schlafadmins, Power-Admins, Glücksadmins … alle daran interessiert sich auszutauschen. Hochkonzentriert, respektvoll und mit viel Engagement. Ein strammes Programm, lange Abendgespräche und spannende Zigarettenpausen – es war alles da, was für Spaß und neue Ideen wichtig ist. Unmittelbaren Einfluss auf die Wikipedia oder Wikibooks hat dieses Treffen sicher nicht. Allen Anwesenden war völlig klar, dass es nicht darum geht, neue Prozesse oder Regularien zu etablieren. Aber es gibt ein paar interessanter Denkansätze, die es vielleicht auch in die Diskussionen in den Projekten schaffen:

  • Ist es eher der Admin vom Dienst oder die freiwillige Task Force, die sich um die Problemfälle zum Beispiel auf der Sperrprüfung kümmert?
  • Warum gibt es eigentlich keine niedergeschriebenen Anforderungen an Admins, wenn doch bei Wahlen durchaus Erwartungshaltungen deutlich werden?
  • Welche Möglichkeiten existieren, Admin-Entscheidungen zu ent-vereinsamen, sie auf eine breitere Basis zu stellen?
  • Und was hat das Portal:Hund mit Basketball zu tun?

Das ist sicher nicht alles. Vieles wurde eher angerissen als in irgendeiner Art geklärt. Aber es soll mehr davon geben. Wie Poupou in ihrer Zusammenfassung  im Blog von Wikimedia Deutschland schon verraten hat: Das Orgateam steht bereit und ist für Wünsche und Kritik dankbar.

(Und ich frage mich noch immer, warum sowas nicht schon viel früher mal stattgefunden hat.)

Jan 112012
 

London ist cool, Oberhausen … naja. Ist nicht ganz einfach, Gemeinsamkeiten zu finden. Und doch gibt es zumindest eine: In beiden Städten fand ein Workshop des Wikipedia Support-Teams statt.

Was macht ein Leser, wenn er einen Fehler in einem Wikipedia-Artikel findet, sich über die Darstellung seiner eigenen Person oder seines Unternehmens beschweren möchte oder sich über die Verspätung seines letzten Flugs nach Madrid beschweren möchte? Manche finden den “Bearbeiten“-Link, die “Fragen zur Wikipedia” oder die Hotline der Fluggesellschaft. Andere sind geduldiger und suchen in den Weiten der Wikipedia, bis sie irgendwann (und die aufzubringenden Mühen sind beträchtlich) den Hinweis auf eine Mail-Adresse finden, an die sie sich wenden können. Und dann? Dann liegt es in der Hand einer Gruppe engagierter und erfahrener Wikipedianer, wie es weiter geht. Sie beantworten die eingehenden Mails, Hinweise und Beschwerden. Und sie tun das freiwillig und unentgeltlich neben dem, was sie sonst noch in oder für die Wikipedia machen.

Seit 2008 trifft sich das deutschsprachige Team ein- bis zweimal im Jahr zu Workshops, bespricht allgemeine Vorgehensweisen, aktuelle Probleme, und wird durch externe Referenten in speziellen Fragen, zum Beispiel zum Persönlichkeitsrecht oder zu den Besonderheiten schriftlicher Kommunikation unterstützt.

Jeder, der eine Mail an Wikipedia schreibt, nimmt die Antwort als Antwort von Wikipedia auf. Es interessiert ihn nicht, wer die Antwort schreibt, ob er damit seinen Lebensunterhalt verdient oder ob er das in seiner Freizeit macht. Damit wird das Support-Team zur Stimme der Wikipedia. Das Team ist eine der wichtigsten Schnittstellen zwischen der Wikipedia und ihren Lesern und es will dieser Erwartung nicht nur genügen, sondern sie bestmöglich erfüllen. Und darum sind diese Treffen sind wichtig. Und doch wurden sie bislang nur in Deutschland durchgeführt. Über den letzten Workshop berichtete ich auch auf internationalen Kanälen und Wikimedia UK griff die Idee flugs auf und organisierte einen Workshop in London.

Und ganz wie in Oberhausen gab es zentrale Diskussionspunkte, die Schwerpunkte erkennen ließen, Problemfelder und Bedürfnisse. Dazu zählen dringend benötigte Anpassungen oder Updates der genutzten Software (OTRS), die Einarbeitung neuer Teammitglieder, Burn-Outs, die Beziehung zur Community aber auch Training und Qualitätssicherung. Alles Punkte, die auch im deutschsprachigen Taem diskutiert wurden. Die etwa 15 Anwesenden diskutierten, debattierten, argwöhnten und formulierten Wünsche, sehr ernsthaft, sehr konzentriert. Beeindruckend. Und sie beendeten den Workshop hochmotiviert und voller Ideen.

Die Arbeitsbedingungen sind gleich, die Probleme sind ähnlich, die Bedürfnisse ebenfalls. Lässt sich daraus ein Workshop-Modell entwickeln, das diese positiven Erfahrungen auf andere Länder und Wikipedien übertragen kann? Ich glaube nicht. Die aktiven Mitarbeiter der englischsprachigen Wikipedia sind ebenso wir deren Support-Team-Mitglieder über die ganze Welt verstreut. Aber auch kleinere Projekte teilen dieses Problem. Es ist kaum möglich, diese Menschen zu einem zweitägigen Workshop zusammenzubringen. Einen Teil der Anforderungen, vor allem, wenn es um Grundlagenwissen, how-tos und Mentoring geht, könnte mit anderen Angeboten abgedeckt werden. Unabhängig von Sprache, Geographie und der Notwendigkeit des persönlichen Treffens. Virtueller Lernumgebungen und virtueller Meetings werden von Unternehmen sowohl im Kundenkontakt aber auch für die interne Kommunikation eingesetzt. Webcasts, Screencasts und Kontext-sensitive Hilfefunktionen könnten auch im Wikimedia-Umfeld gute Dienste leisten. Obwohl es bereits erste Versuche aus unterschiedlichen Richtungen gab (z.B. [1] [2]), wird etwas ähnliches weder in der Wikipedia noch beim Support-Team eingesetzt. Die Prioritäten der Wikimedia Foundation liegen derzeit woanders, aber ich denke auf lange Sicht, dass ergänzende Möglichkeiten der Wissensvermittlung in Wikimedia-Projekten eingesetzt müssen. Für Leser und für die aktiven Freiwilligen, besonders für das Support-Team.