Dez 312011
 

Jahresrückblicke sind meistens schlimm. Trotzdem gibt es jetzt und hier einen (Halb)Jahresrückblick. Und zwar einen mit Fokus auf dem Wikip(m)edia-Universum: unvollständig, unausgewogen und geflickschustert. Und damit es nicht ganz so schlimm (und hoffentlich auch weniger unvollständig und unausgewogen) wird, habe ich mir mit Achim und Southpark zwei Mitblogger gesucht. Aus einem Jahresrückblick auf 2011 werden also zweieinhalb, geplant waren drei, macht 6033. Die fehlende andere Hälfte ist mir beim falschen Abspeichern abhanden gekommen. Kommt später nach. Findet sich jetzt hier. Das Spannende ist, dass ich keine Ahnung habe, was die beiden anderen schreiben. Los geht’s:

Januar

Kaum war Silvester vorbei, ging es los: Wikipedia feierte Selbstbefeierung mit 470 Events auf der ganzen Welt: 10 Jahre Wikipedia setzte unglaubliche Energie frei. So viel gehäufte Aufmerksamkeit wurde dem „Projekt zum Aufbau einer Enzyklopädie aus freien Inhalten in allen Sprachen der Welt“ (Beschreibung übernommen von der Hauptseite) bislang nicht beschert. Keine große Zeitung, kaum ein Fernsehsender, die das Thema nicht aufgriffen. Und so fluteten eine Menge Interviews und Berichte die Welt, und die meisten viel besser und inhaltlich präziser als gedacht.

Es folgte eine außerordentlich außerordentliche Mitgliederversammlung von Wikimedia Deutschland. Was so außerordentlich war? Das erste Mal, dass die Mitglieder von diesem Recht Gebrauch machten und dann kam es zu einer überraschend konstruktiven Veranstaltung mit nahezu angenehmem Diskussionsklima. Dazu die deutliche Bestätigung des damaligen Vorstands und ein hochengagiertes Vereinsmitglied, dass von seinen Unterstützern völlig im Regen stehen gelassen wurde. Schade um ihn.

Die vom Vorstand von Wikimedia Deutschland angestoßenen und von Achim organisierte Umfrage zur Beteiligung an METIS startete. Das Ergebnis vier Wochen später war eindeutig: Eine überwiegende Anzahl der Teilnehmer an der Umfrage wollte keine offizielle Beteiligung und Geldausschüttung an die Autoren. Nach zwei Jahren Bürokrat in der Wikipedia habe ich Ende des Monats den Posten freigemacht für andere, Guandalug füllte die Lücke bald darauf aus.

Die Wikimedia Foundation gab die neue Besetzung der Ombudsmann-Komission bekannt, die mit Thogo erneut einen Vertreter der deutschsprachigen Wikipedia vorweisen kann. Auch noch im Januar trafen sich die Teilnehmer des Movement Roles Projektes in Frankfurt. Eins dieser abstrakten Themen im Wikimedia-Universum, für das sich auch bei den Chaptern nur wenige begeistern können und die aufgrund aktueller Ereignisse immer wieder in den Hintergrund treten. Wohl mit ein Grund dafür, dass es bislang noch kein Ergebnis gibt und selbst ich als grundsätzlicher Befürworter der Idee Zweifel am Ansatz und der Vorgehensweise habe.

Februar

Nach dem übervollen Januar bot der Februar mehr Luft. Wikimedia France gab bekannt, dass der Wikipedianer Benoît Evellin sechs Monate als „wikipédien en résidence“ in Versailles arbeiten wird und dort als Vermittler zwischen der Institution und der Community tätig wird.

Wikimedia Deutschland rief ein Stipendienprogramm ins Leben, das 16 Bewerbern aus Deutschland die Teilnahme an der Wikimania in Haifa ermöglichte.

März

Der März hatte es dann wieder in sich. Die Mitgliederversammlung von Wikimedia Deutschland (leider nicht mehr auf Meta verfügbar, aber im Mitgliederforum und dort nach einmaligem Registrieren auch für Nichtmitglieder) wählte mich erneut zur zweiten Vorsitzenden und der Antrag zum Community-Projektbudget wurde mit großer Mehrheit angenommen.

Eine Woche drauf fand die Wikimedia Conference statt, ein jährliches Treffen von Vertretern aller Chapter der Wikimedia Foundation, begleitet von Zusatzveranstaltungen wie dem Treffen des Boards of Trustees und der Movement-Roles-Truppe. Die Dokumentation der Konferenz zeigt sehr schön die Vielzahl der Themen, mit denen sich die Chapter beschäftigt haben.

Im März wurde von Ting Chen, dem Vorsitzenden des Board of Tristees, auch die Botschaft an die Community über Benutzerschwund im Kurier veröffentlicht. Der Aufruf von Sue Gardner bezieht sich auf eine Entwicklung, die aus den Ergebnissen der Editor Trends Study erkennbar wurde. Während dies bei der Foundation und etlichen Aktiven der Chapter durchaus eine Art Alarmstimmung auslöste und sehr schnell klar war, dass dringend etwas gegen diese Tendenz unternommen werden muss, damit die Wikipedia weiter erfolgreich, beachtet und konkurrenzfähig bleibt, wurde die Studie und die daraus resultierenden Überlegungen von der deutschsprachigen Community kaum wahrgenommen. Einzig der Eintrag im Kurier, seine Sprache, seine Aufmachung und seine Berechtigung führte zu Reverts und Hickhack, der eigentliche Inhalt geriet dabei etwas ins Hinterteffen.

April

Anfang April fand die erste Klausur des neugewählten Vorstands statt. Fünf neue Mitglieder, ganz unterschiedliche Ansätze und Vorstellungen über die Arbeit eines Vorstands und eine Menge wichtiger Themen, wie die Notwendigkeit der Überarbeitung des Kompass 2020. Dazu eine Magenverstimmung, das war schon anstrengend. Ein gutes Gefühl und die Aussicht auf eine gute vertrauensvolle Zusammenarbeit blieb am Ende aber doch.

Das Community-Projektbudget ging mit der Wahl der Mitglieder des Ausschusses, der die Anträge bewertet, und dem Aufruf für Anträge in die Startphase.

Mai

Im Mai wurden in einem Workshop, der parallel zum  Hackathon in in Berlin stattfand, die ersten Weichen für das Europa-weite Wiki Loves Monument gestellt. Internationale Vertreter aus den Niederlanden, Frankreich, Estland, Polen, Italien und weiteren Ländern diskutierten und einigten sich auf die Grundlagen zum Prozedere und Ablauf. Auch Elya und Kilian, die großen Anteil an der Umsetzung des Projekts in Deutschland hatten, waren dabei.

Ein ganz kleine, aber doch erwähnenswerte Veranstaltung war das Kickoff des mobiles Tonstudios in Köln. Das wurde durch das Projekt WissensWert ermöglicht, eine tolle Sache und eine ganz schnelle und ergebnisorientierte Umsetzung durch die Antragstellerin Tabitha Hammer.

Juni

Im Juni feierte Wikimedia Nederland  10 Jahre niederländische Wikipedia in ’s-Hertogenbosch, mit Fotosafari, Musik und jeder Menge netter Gespräche.

Wikimedia trifft Altertum fand in Göttingen statt. Eine Konferenz, die von drei aktiven Wikipedianern, Macus Cyron, Martin Rulsch und Jonathan Groß geplant und durchgeführt wurde. Beeindruckend das Interesse der Wissenschaftler, die Energie und die Leidenschaft, mit der dieses Projekt von den Organisatoren verfolgt wurde. Könnte sowas zu einer regelmäßigen Konferenz werden, vielleicht nicht jedes Jahr, aber warum nicht in zwei Jahren wieder und dann an einem anderen Ort oder mit einem anderen Wissenschaftszweig?

Alle zwei Jahre werden drei Mitglieder des Boards of Trustees der Wikimedia Foundation durch die Community gewählt. Im Juni wurden so die bisherigen Amtsinhaber Kat Walsh, Ting Chen und Samuel Klein bestätigt. Die Wahlbeteiligung an diesen Wahlen war erneut nicht besonders hoch. Überrascht das Ergebnis? Ja, ein wenig schon, insbesondere unter Berücksichtigung der späteren Diskussionen rund um den Bildfilter. Im Kurier gab es am Ende des Monats einen ersten Hinweis auf das für August geplante Referendum zum geplanten Bildfilter, den das Board of Trustees in der Resolution zu kontroversen Inhalten im Mai beschlossen hatte.

Juli-Dezember

sind mir leider gerade beim Übertragen flöten gegangen. Mal sehen, ob ich es rekonstruieren kann. Frühestens Morgen. Nachtrag: Findet sich jetzt hier.

Und was bleibt nun?

Eine Menge schöner Erinnerungen, gute Gespräche, interessante neue oder vertiefte Bekanntschaften, eine Reihe neuer Ideen wie das CPB, die sich langsam entwickeln und weitere Ideen, die noch unausgereift auf den richtigen Moment warten.

Und für das kommende Jahr: Hoffentlich ebenso viel Spannendes und mehr Gelassenheit. Für uns alle.

Mehr zu 2011 gibt es wie oben angekündigt bei: