Sep 222011
 

Checkuser haben in einem Wikimedia-Projekt besondere erweiterte Rechte. Sie können für einen gewissen Zeitraum nach einzelnen Edits zum Beisoiel die IP-Adressen angemeldeter Benutzer einsehen, um zu prüfen, ob eine missbräuchliche Nutzung mehrerer Accounts durch eine Person vorliegt. Diese Aufgabe erfordert nicht nur Fingerspitzengefühl beim Umgang mit sensiblen Daten sondern ein sehr waches Bewusstsein dafür, dass Datenschutz in einem Projekt, in dem die Möglichkeit, auch ohne Preisgabe irgendwelcher persönlicher Informationen mitzumachen, zu den Voraussetzungen gehören, einen ganz besonderen Stellenwert hat und Eingriffe entsprechend kritisch betrachtet werden. Dazu kommen als Voraussetzungen eine sehr gute Projektkenntnis, ein Grundverständnis dafür, wie IP-Adressen funktionieren, Urteilskraft und Entscheidungswillen. Und natürlich das Vertrauen der Community.

Denn ob diese Funktionen aus der Community besetzt werden und wie der Prozess der Besetzung aussieht, liegt in der Hand der Community. Und die scheint bei der Frage gerade etwas kraftlos.

Seit Mitte 2006 gibt es Checkuser in der deutschprachigen Wikipedia. Ihre Anzahl sollte so ungerade und klein wie möglich sein und so wurden es drei. Durch die Gemengelage von den in der Zwischenzeit durch ein Meinungsbild eingeführten Bestätigungswahlen für Spezialfunktionen und dem freiwilligen Ausscheiden eines Checkusers im Oktober kann es nun zu einem Engpass kommen. Und das kommt nicht überraschend. Kulacs erfolgreiche Wiederwahl ist gerade vorbei, HaeB hatte seinen Ausstieg aus dieser Funktion schon frühzeitig bekannt gegeben und bei Bdk steht im Oktober eine Wiederwahl an. Zumindest eine Position muss also neu besetzt werden, um die festgelegte Mindestzahl von drei aufrecht zu erhalten.

Und nun wird diskutiert, noch verhalten und mit wenig Beteiligung. Es geht darum, die Anzahl eventuell auf fünf aufzustocken, das bestmögliche Nominierungs-und Wahlverfahren zu nutzen, alternierende Wiederwahlen einzuführen und bei all dem auch gute Kandidaten zu finden. Und natürlich bringen all diese Überlegungen Probleme mit sich. Weil sie neue Verfahren und Strukturen in bestehende Prozesse bringen und es eine Übergangsphase braucht. Und weil es eben nicht geeignete und auch willige Kandidaten wie Sand am Meer gibt, und das völlig unabhängig von der Art der Nominierung. Es ist wichtig die Konsequenzen einer Änderung zu bedenken, aber wenn klar ist, dass etwas passieren muss, darf die Diskussion nicht dazu führen, dass so lange diskutiert wird, bis die perfekte Lösung gefunden ist. Und es wäre gut, wenn sich noch mehr an der Lösungsfindung beteiligen würden, auch die aktuellen Checkuser mit ihren Erfahrungen und Vorstellungen. Damit diese Funktion, die so viele Ansprüche an ihre Nutzung und die Kommunikation der Nutzung stellt, auch weiterhin durch die deutschsprachige Wikipedia-Community selbst und vor allem so sparsam wie möglich eingesetzt wird.

Im Raum steht eine Wahl nach den Modalitäten der Wahl zum Schiedsgericht und das halte ich für einen vielversprechenden Ansatz, der sich auch für die Wahlen der Bürokraten eignet (auch dort wird es bald einen freien Platz geben, weil Raymond nicht erneut zur Wiederwahl antritt). Aber bitte macht es nicht so kompliziert und versucht nicht, dabei alle Eventualitäten zu berücksichtigen.

Was die Wikipedia braucht, ist mehr Mut. Mehr Mut, auch mal etwas zu tun in dem Bewusstsein, dass der Prozess noch nicht 100%ig ist.

  2 Responses to “Gehen der Wikipedia die Checkuser aus?”

  1. …und auch niemals 100%ig sein kann.
    Danke für den Hinweis auf das gute alte „Sei mutig“: Leider tendieren Diskussionen in der WP dahin, dass die fitzeligsten und unwahrscheinlichsten Spezialfälle zur Norm erhoben werden und sinnvolle Änderungen dadurch regelmäßig auf der Strecke bleiben.

  2. Kann nur zustimmen – und mir fiele ja Jemand für die CU-Knöppe ein… 😉

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