Sep 082011
 

Nicht nur Wikimedia Deutschland, auch andere der fast 30 Wikimedia-Chapter wachsen und machen sich Gedanken über ihre strukturelle und inhaltliche Weiterentwicklung. Delphine hat einen Teilaspekt davon, nämlich die selbst in Europa unterschiedlichen kulturellen Voraussetzungen für die Entwicklung der Chapter, schon in Southparks Blog betrachtet.

Aber auch ganz weit weg, zum Beispiel in Australien, machen sich Menschen Gedanken darüber, welche Richtung ihr Chapter einschlagen soll, welche Wege ausgebaut und welche Trampelpfade nicht weiter beschritten werden sollen. Wikimedia Australia hat dazu eine Menge Ressourcen bemüht. Craig Franklin (Schatzmeister von Wikimedia Australia) beschreibt die Vorgehensweise in seinem Blogpost als „Wikimedia Way“ und ich muss zugeben, dass ich nicht wirklich weiß, was er darunter versteht. Was ich aber erkenne, ist, dass die Australier zum einen sehr engagiert und ernsthaft an die Planung herangegangen sind und zum anderen ganz bewusst Partizipation förderten. Eine gemischte Arbeitsgruppe aus Mitgliedern, Nicht-Mitgliedern, Wikipedianern und Nicht-Wikipedianern kümmerte sich um die Formulierung des strategischen Plans, und sie suchten und förderten die Einbindung und Beteiligung anderer, um den Plan ausgewogen zu gestalten und auf eine breite Basis zu stellen.

Liam Wyatt hatte während seines Aufenthalts in Europa (er ist Fellow der Foundation für den GLAM-Bereich) keine Gelegenheit ausgelassen, mit Vertretern anderer Chapter zu sprechen, sie nach ihren Erfahrungen, Schmerzen und Erfolgen in ihrer Entwicklung zu fragen. Wir trafen uns in Düsseldorf nach der Konferenz „Communicating the Museum“ im Kreise anderer Wikimedianer aus England, Spanien, den Niederlanden und Tschechien zu einem Interview, dass er mit seinem Smartphone aufnahm und das neben anderen ähnlich entstandenen ebenfalls in das strategische Wochenende einfloss.

Was mir besonders gut gefällt, ist die Einbeziehung von IdeaScale, einem online-Dienst, der es ermöglicht, Ideen vorzustellen und bewerten zu lassen. Eine ganz einfache und niedrigschwellige Möglichkeit, zu erkunden, ob die eigenen Ideen auf Akzeptanz stoßen oder doch fernab jeglicher Realität sind. Daumen hoch oder Daumen runter hieß es dann für 24 dort offen diskutierte Ideen.

Eingeflossen ist das und viel mehr dann in den ersten Entwurf des strategischen PLans für Wikimedia Australia. Shareholder des Chapters waren während des gesamten Entwicklungsprozesses wichtig, der Aufbau des Plans folgte dann einem strikten Prinzip der Wichtigkeit. Die Ziele werden unterteilt in a) Kernprogramme, b) das, was wichtig ist und c) das, was in der Zukunft betrachtet werden soll. Jedes einzelne Ziel wird mit dem strategischen Plan der Wikimedia Foundation verknüpft, was die Verbundenheit des Chapters zur Foundation unterstreicht und sicherstellt, dass sich die Ziele von Chapter und Foundation nicht gegenseitig behindern.

Es ist hochinteressant zu sehen, wie die verschiedenen Chapter an die strategische Planung herangehen, welcher Werkzeuge und Methoden sie sich bedienen und wie sie auf bereits gemachte Erfahrungen zurückgreifen. Ähnliche Prozesse finden auch in anderen Chaptern statt und ich bin sehr gespannt auf die Ergebnisse. Es ist nicht nur gut zu wissen, wofür man seine Zeit und Kraft opfert. Ein strategischer Plan hilft jedem Chapter, ein klares Profil zu entwickeln und sich nicht in Belanglosigkeiten zu verzetteln. Oder mit Craigs Worten: „If you’re a Wikimedia chapter, you should be either engaged in a strategic planning process, or thinking about beginning a strategic planning process.“

Kommentar verfassen