Aug 192011
 

Die aktuelle Diskussion um die Einführung von persönlichen Bildfiltern ist laut, emotional und auch sehr selbstzentriert. Sie wird geführt von vielen, die zu dem Projekt beitragen – sei als als Autor, Fotograf, Diskutant, Helfer oder Störer – und sammelt sich unter anderem in einem Meinungsbild, das gerade vorbereitet wird.

Im Juni bereits wurde aufgrund etlicher sehr martialischer Bilder in einem Wrestling-Artikel die Frage nach dem Jugendschutz aufgetan. Und wenig überraschend mit deutlichen Bekenntnissen „Hier wird nicht zensiert“ beendet. Die Bilder, darunter auch eins mit dem sehr exakt beschreibenden Dateinamen „DJ_Hyde_sticks_two_syringes_through_the_cheeks_of_Thumbtack_Jack_-_Tournament_of_Death_8.jpg“ sind mittlerweile gelöscht worden – weil nicht nachgewiesen werden konnte, dass sie tatsächlich unter einer freien Lizenz stehen. Inhaltlich fragwürdig? Keine Spur.

Auch in der aktuellen Diskussion wird deutlich, dass der Aufklärungsgedanke und -wille bei vielen so stark ausgeprägt ist, dass er Bedürfnisse und Wünsche der möglichen Empfänger völlig ignoriert. Es scheint wider diesen (Missionierungs)gedanken zu sein, auf den Leser – den zu bildenden, den ungebildeten, den unaufgeklärten – überhaupt Rücksicht zu nehmen. Wer wissen will, muss zur Not eben auch ein bisschen leiden. Oder ist vielleicht etwa doch was dran an dem alten Leitsatz, dass eine Lektion nur ordentlich eingebläut werden muss, wenn’s sein muss halt auch mit dem Rohrstock, damit sie behalten wird?

Ausgesetzt einer unabschaltbaren Bilderflut durch Werbung, TV und Internet ist es für den offenen und modernen Europäer heutzutage nicht nur normal sondern auch akzeptiert, ungefragt und unablässig visuelle Eindrücke konsumieren zu müssen. Noch 1994 verschafften Werbe-Schockeffekte der Marke Bennetton nicht nur einen Absatzrückgang sondern auch einen Skandal, der es bis vor’s Bundesverfassungsgericht schaffte.

Mit welchem Recht gehen wir also davon aus, dass unsere Sicht auf die Dinge die beste, wenn schon nicht die einzig mögliche, ist? Die Qualität der Bilder der Wikipedia, ihr tatsächlicher wissenserweiternder Beitrag zu einem Artikel, wird selten genug hinterfragt. Es ist vermessen, zu glauben, die Wikipedia, die möglichst viele Bilder liefert, sei die, die auch das meiste Wissen vermittelt. Und es ist ebenso vermessen, seine eigenen Vorstellungen von dem Verhältnis zwischen Tiefe und Weite von Freiem Wissen auf alle anderen Kulturräume übertragen zu wollen.

Die Entscheidung, ob ein Bild oder ein Text verletzend oder gar unerträglich ist, kann eben nur vom Betrachter selbst gefällt werden.

Aug 102011
 

Das ist der Titel einer Präsentation der Wikimania in Haifa, die ich wirklich beachtenswert fand. Aegis Maelstrom, aktiv in der polnischen Wikipedia schaffte es, dass ich abwechselnd stark nickend und heftig kopfschüttelnd seinem Vortrag folgte. Leider hat er seine Folien noch nicht hochgeladen, so dass ich meine Gedanken dazu zurückstelle, bis ich darauf verweisen kann. Hätte ich den Vortrag gehalten, wäre der Titel vermutlich Wikis hate leaders even though they want them badly.