Jul 292011
 

Ja, ich gestehe. Das CPB habe ich mit verbrochen. Sebastian und ich hatten den Antrag für ein Budget von 200.000 EUR zur Förderung von Projekten aus der Community für die Community in die letzte Mitgliederversammlung eingebracht. Dort wurde der Antrag mit kleinen Änderungen von einer großen Mehrheit angenommen. Auf der MV sprach ich davon, dicke Bretter zu bohren, und während andererorts die Diskussion mittlerweile eine Länge und Unstruktur erreicht haben, die es nahezu unmöglich macht, ihr zu folgen, gehe ich noch einmal zurück auf Los.

Mittlerweile gibt es mindestens so viele Vorstellungen vom Community-Projektbudget wie Beteiligte an der Diskussion, vermutlich eher so viele wie Beobachter der Seite. Hier also meine ureigene, die mit in den Antrag eingeflossen ist.

Womit es begann
Southparks  Millionenliste griff eine Diskussion auf, in der es unter anderem darum ging, warum nicht viel mehr von dem vorhanden Geld direkt und sichtbar in die Förderung der Wikipedia gesteckt wird. Innerhalb kürzester Zeit und mt der Beteiligung einer Vielzahl aktiver Autoren entstand eine Liste möglicher Projekte, deren Umsetzung mit Geld möglich gemacht werden kann. Große, kleine, spinnerte und ganz bodenständige. Ein Strauß voller Ideen, die nur darauf warten, umgesetzt zu werden. Also schufen wir die Voraussetzungen: 200.000 EUR für diese und andere Ideen.

Worum es geht
Ich fange andersrum an: Es geht nicht darum, das bestehende Community-Budget aufzubohren, dazu hätte man nichts neues gebraucht, sondern lediglich den Topf mehr füllen müssen. Es geht also nicht um die einzelne Kostenübernahme einer Reise, eines Teilnahmebeitrags, einer technischen Anschaffung. Das wurde und wird bis zu einer Einzelsumme von 5000 EUR aus dem bestehenden Community-Budget getragen, das leider noch in keinem Jahr ausgeschöpft wurde. Für größere Anschaffungen muss auch eine Lösung her und die wird gerade konzipiert.

Und was unterschiedet das CPB davon? Es geht um Projektförderung. Ideen, die über einen längeren Zeitraum realisiert werden können, die unterschiedliche Kostenfaktoren haben, von denen Teile zu verschiedenen Zeitpunkten kostenwirksam werden. Ideen, die Koordination und Organisation erfordern, Liebe zum Detail und den Blick auf das Ganze. Ideen, deren Umsetzung sich niemand ans Bein binden würde, wenn er sie selbst finanzieren müsste und die dennoch wichtige Bausteine sind auf dem Weg Freies Wissen allen zugänglich zu machen.

Eine Idee zu spinnen, sie wachsen zu sehen und ihre Umsetzung eigenständig und auch eigenverantwortlich zu begleiten, das ist das, was meine Idee vom CPB ausmacht.

Welche Rolle spielt der Verein dabei? Er ist Geldgeber, er unterstützt, wenn es nötig ist bei der Antragstellung, bei der Kalkulation, mit seinen Kontakten und Ressourcen. Aber er springt nicht in die Rolle des Projektleiters und übernimmt die Umsetzung. Erstens fehlen ihm dazu die Ressourcen. Die eigene Jahresplanung wird ja nicht über den Haufen geworfen und sie braucht die Mitarbeiter und die Sachmittel. Zweitens bewegen sich die Aktivitäten des Vereins bereits jetzt in einer Breite, die es schwer macht, die Kernkompetenzen überhaupt zu erfassen. Pavels Monatsbericht wird immer länger und das liegt eben auch an der Vielzahl der bereits jetzt durchgeführten Projekte. Und drittens wäre es doch fatal, die Community zu entmündigen und ihnen die Kompetenz abzusprechen, Dinge auch selbst in die Hand zu nehmen. Stattdessen kann Wikimedia Deutschland mit der Förderung dazu beitragen, Kenntnisse und Fähigkeiten in der Community auszubauen, aber eben auch dort verborgene zu aktivieren und zu motivieren. Wer seine Idee umsetzen möchte, erhält die Gelegenheit dazu und kann dabei wichtige Erfahrungen sammeln, sich weiterentwickeln und ganz bewusst und aktiv einen Teil zum großen Ziel beitragen. Wenn das nicht eine ganz konkrete Förderung der Freiwilligen ist, was wäre es dann?

Gerne auch kann das mit einem Honorar verbunden sein. Ein gute Idee darf nicht versanden, nur weil ihre Umsetzung mehr Zeit und Aufwand erfordert, als im Rahmen des ehrenamtlichen Engagements verfügbar ist. Sie darf nicht versanden, nur weil während der dafür benötigten Zeit andere (bezahlte) Aufträge nicht angenommen werden können und sie darf auch nicht versanden, weil während der Umsetzung die Versorgung der Familie sichergestellt sein muss.

Was gebraucht wird
Es geht um Geld, das macht es notwendig, dass Entscheidungen so getroffen und dokumentiert wird, dass auch in einer Rückbetrachtung und Prüfung nachvollziehbar ist, wie sie getroffen wurden. Eine Geschäftsordnung des empfehlenden Ausschusses und Förderrichtlinien, also Kriterien, die auf alle eingehenden Anträge angewendet werden, können das unterstützen und die Mittelvergabe nachvollziehbar machen. Die Entwicklung beider Rahmen kann sinnvoll nur durch den Ausschuss erfolgen. Er ist das Gremium, der die Empfehlungen ausspricht und in dem mit Community- und Vereinsmitgliedern  möglichst viele Interessen vertreten sein sollen. Seine Selbständigkeit und Eigenverantwortung ist gefragt. Aus ihm heraus sollten die Impulse für Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Antragsbearbeitung kommen. Der Vorstand kann beraten und muss den Regelungen auch zustimmen, aber vorgeben kann und sollte er sie nicht.

Was überlegenswert ist
In einer frühen Version des Antrags wurde der Vorstand im Ausschuss durch Vertreter der Ressorts Freiwilligenförderung und Qualität vertreten. Da es um Geld geht und weil mit zwei Vertretern das Gewicht und der Einfluss des Vorstands unnötig erhöht würde, haben wir das verworfen. Der Schatzmeister sollte im Ausschuss vertreten sein. Und das scheint zunächst eine gute Lösung zu sein, denn es geht um Geld. Wer sollte darüber besser Bescheid wissen und mit diesem Wissen den Ausschuss beraten, als der Schatzmeister. Aber das birgt ein Problem, denn es geht um Geld. Was an anderen Stellen, an denen Gelder vergeben werden, eine Selbstverständlichkeit ist, haben wir wie selbstverständlich über den Haufen geworfen: die Trennung der Empfehlung und Vorbereitung einer Mittelvergabe von deren Beschluss. Eine Aufgabe des Schatzmeisters ist das Wachen über die Mittelverwendung. Seine wichtigen Stellungnahmen zu finanziellen Auswirkungen und ordentlicher Verwendung müssen dem Vorstand zur Beschlussfassung zukommen. Auch der Ausschuss kann davon profitieren, keine Frage. Die Doppelfunktion führt in diesem Falle allerdings dazu, dass der Schatzmeister den gesamten Weg der Vergabe maßgeblich begleitet und somit sehr viel Einfluss auf sie ausüben kann. Würde ich das CPB heute initiieren, würde ich aus dem Vorstand einen Vertreter aus dem Ressort Freiwilligenförderung in den Ausschuss berufen, um bei der Prüfung der Anträge eher den Wirkungsgrad und den Einfluss auf die Community und die Wikimedia-Projekte zu berücksichtigen, als die finanziellen Auswirkungen. Letzteres kann der Vorstand mit seinem Beschluss übernehmen.

Wie es weitergeht
Mitte August treffen sich Vertreter des Vorstands und des Ausschusses, um die Probleme anzugehen und die zweite Vergaberunde, die Ende des Jahres stattfinden soll, auf solide Füße zu stellen und die Fortführung zu gewährleisten. Ich wünsche mir, dass es gelingt, gemeinsam die Grundlagen weiterzuentwickeln und die Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen sich alle Beteiligten wiederfinden. Ich wünsche mir, dass im Herbst noch mehr Anträge gestellt werden, die darauf ausgerichtet sind, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Und dann möchte ich mich überraschen lassen. Von den Ideen, von den Menschen dahinter und von den Ergebnissen. Ich bin sicher, das wird gelingen.

  10 Responses to “Meine Idee vom CPB”

  1. […] Post Meine Idee vom CPB ist nur wenig hinzuzufügen. Als Mitantragsteller unterschreibe ich das sofort. Es geht um das, was […]

  2. die idee, statt des schatzmeisters ein anderes vorstandsmitglied in den ausschuss zu entsenden finde ich sehr gut, nicht nur, weil es in der konkreten besetzung nach meinem eindruck auch zu persönlichen unstimmigkeiten gekommen ist, sondern weil ich, wie du, der auffassung bin, dass hier eine trennung besser ist. stellst du einen entsprechenden antrag auf der mv im november?

    • Das weiß ich noch nicht. Zum einen habe ich diesen Gedanken noch zu wenig diskutiert (umso wichtiger ist dein spontanes Feedback). Zum anderen möchte ich auch erst abwarten, wie sich das CPB nach den Erfahrungen der ersten Runde weiterentwickeln wird. Als Initiator habe ich hier die Chance genutzt, meine Intention darzustellen. Nun braucht die Initiative aber zunächst auch etwas Luft und Freiheit, um sich selbst weiter zu entwickeln. Das kann sie nicht, wenn ihr auf der nächsten MV mit unzähligen Detailanträgen jeglicher Entfaltungsspielraum genommen wird.

  3. Gerne auch kann das mit einem Honorar verbunden sein. Ein gute Idee darf nicht versanden, nur weil ihre Umsetzung mehr Zeit und Aufwand erfordert, als im Rahmen des ehrenamtlichen Engagements verfügbar ist. Sie darf nicht versanden, nur weil während der dafür benötigten Zeit andere (bezahlte) Aufträge nicht angenommen werden können und sie darf auch nicht versanden, weil während der Umsetzung die Versorgung der Familie sichergestellt sein muss.

    Ist das denn auch aktuell die offizielle Linie?

    Bisher klang immer durch, dass die Antragsteller zwar größere Summen erhalten, diese aber nicht „in die eigene Tasche der Antragsteller“ fließen, sondern alle in Sachleistungen umgesetzt werden. Dass das CPB nicht zur Selbstbereicherung da ist, ist klar, aber wenn es zum Beispiel die Möglichkeit gäbe, für X Stunden Arbeit einen festen Stundensatz von Y zu erhalten, würde das in der Tat den Umfang der möglichen Projekte steigern.

  4. Hallo Lyzzy,
    danke für den sachlichen und Beitrag. Eigentlich hatt ich mir vorgenommen, mich mit dem CPB und allem drumherum nicht mehr zu beschäftigen – ich hatte viel zu viel eigene Energie und Erwartung hineingesteckt und wurde so bitter von der (Wikipedianer)-Realität überholt, dass mir fast schlecht wird, wenn ich nur dran denke.

    Aber: Das Community-Projektbudget ist das Beste, das je als Programm bei WMDE ausgehirnt wurde – es darf nicht kaputtgehen, weil einige die Spielregeln brechen und andere das Konzept nicht verstehen. Ich habe die Idee und Struktur genau so verstanden, wie du sie darstellst – incl. der Gedanken zur Entlohnung derjenigen, die sich über das im Ehrenamt Leist- und Erwartbare in die Projekte einbringen wollen (daher waren in beiden der von mir eingebrachten Anträge Entlohnungen für Einzelpersonen enthalten). Ich unterstütze zudem ebenfalls die Idee, nicht mehr per default den Schatzmeister sondern tatsächlich einen Vorständler aus den Ressorts Freiwilligenförderung oder Qualität in den Ausschuss zu bringen – diese Personen wissen idR, worum es bei den Projekten gehen sollte.

    Die Zukunft: Im Freibierblog entwickelt sich evtl. gerade ein Projekt zur Bebilderung der Prä-digitalen Phase, im meinem Schädel schwirren zudem noch tausend weitere Ideen herum – vielleicht bin ich dann auch in Zukunft mit Anträgen dabei. Einzig die zentrale gute Idee, wie wir hochqualitativen inhaltlichen Content (Autorencontent) ohne paid editing über das CPB in die WP bekommen, die fehlt mir noch.

    Gruß, Achim

  5. Ja, persönliche Befindlichkeiten schienen mir eine große Rolle zu spielen. Ansonsten: In diesem Ausschuss befinden sich u.a. ein Unternehmensberater und ein Mitarbeiter einer Finanzbehörde. Insofern ist die Annahme, dass sich da a) keiner oder b) nur der Schatzmeister mit finanziellen Fragen beschäftigt eher realitätsfremd und hat nichts mit der Arbeit dieses Ausschusses zu tun.

    • @Anneke

      Wo lesen Sie die von von Ihnen angeführte ‚Annahme‘ heraus?
      Was rechtfertigt Ihre getätigte persönliche Beleidigung gegen den Blogger aus dieser ‚Annahme‘?

      • a) Sie meinten sicherlich die BloggerIN. Und die Aussage bezieht sich nicht auf selbige b) Zum ersten einlesen empfiehlt sich vermutlich die letzten 1 1/2 Jahre auf http://lists.wikimedia.org/pipermail/vereinde-l/ (Und man sage mir nicht, da lägen nicht diverseste Befindlichkeiten herum, was mir allerdings auch erst im Nachinein klar wurde).

      • Was ich für eine Fehlinterpretation halte: Ein Nadelöhr in der Kommunikation ist immer ein Problem, da sich immer die Möglichkeit von a) kommunikativen Missverständnissen oder b) Möglichkeiten erhöhter Einflussnahme ergeben. Da ist es relativ egal, ob es sich um de Schatzmeister oder jemanden aus dem Ressort Qualität, Freiwilligenförderung oder whatever handelt. Insofern sind imho für JEDES Gremium mindestens 2 Leute zu benennen (auch wenn einer nur zurückhaltend und in Vertretung auftritt).

  6. […] 2011 mehr Probleme als Erfolge aufzuweisen hatte und das dringend reformiert werden musste. Ich bin nicht ganz unschuldig an der Einführung des CPB und ich frage mich, warum Sebastian Moleski und ich als Antragsteller […]

Kommentar verfassen