Jul 312011
 

Die Vorstandsklausur ist vorbei, meine Zeit als Zweite Vorsitzende auch. In den zwei Wochen seit der Bekanntgabe des Rücktritts habe ich eine Menge Rückmeldungen erhalten, mit Gedanken zum Verein, zu ehrenamtlicher Arbeit, zur Kommunikation. Vielen Dank dafür. Ich will versuchen, einiges davon in der nächsten Zeit hier aufzugreifen und so vielleicht auch das “Mysterium” Vorstand etwas zu lichten.

Wikimedia Deutschland ist aus den Kinderschuhen raus gewachsen. Das mitzugestalten und zu begleiten war eine großartige Zeit.

Was noch zu sagen bleibt?
Mach’s gut, Verein. Du hast noch eine Menge vor dir.

Jul 292011
 

Ja, ich gestehe. Das CPB habe ich mit verbrochen. Sebastian und ich hatten den Antrag für ein Budget von 200.000 EUR zur Förderung von Projekten aus der Community für die Community in die letzte Mitgliederversammlung eingebracht. Dort wurde der Antrag mit kleinen Änderungen von einer großen Mehrheit angenommen. Auf der MV sprach ich davon, dicke Bretter zu bohren, und während andererorts die Diskussion mittlerweile eine Länge und Unstruktur erreicht haben, die es nahezu unmöglich macht, ihr zu folgen, gehe ich noch einmal zurück auf Los.

Mittlerweile gibt es mindestens so viele Vorstellungen vom Community-Projektbudget wie Beteiligte an der Diskussion, vermutlich eher so viele wie Beobachter der Seite. Hier also meine ureigene, die mit in den Antrag eingeflossen ist.

Womit es begann
Southparks  Millionenliste griff eine Diskussion auf, in der es unter anderem darum ging, warum nicht viel mehr von dem vorhanden Geld direkt und sichtbar in die Förderung der Wikipedia gesteckt wird. Innerhalb kürzester Zeit und mt der Beteiligung einer Vielzahl aktiver Autoren entstand eine Liste möglicher Projekte, deren Umsetzung mit Geld möglich gemacht werden kann. Große, kleine, spinnerte und ganz bodenständige. Ein Strauß voller Ideen, die nur darauf warten, umgesetzt zu werden. Also schufen wir die Voraussetzungen: 200.000 EUR für diese und andere Ideen.

Worum es geht
Ich fange andersrum an: Es geht nicht darum, das bestehende Community-Budget aufzubohren, dazu hätte man nichts neues gebraucht, sondern lediglich den Topf mehr füllen müssen. Es geht also nicht um die einzelne Kostenübernahme einer Reise, eines Teilnahmebeitrags, einer technischen Anschaffung. Das wurde und wird bis zu einer Einzelsumme von 5000 EUR aus dem bestehenden Community-Budget getragen, das leider noch in keinem Jahr ausgeschöpft wurde. Für größere Anschaffungen muss auch eine Lösung her und die wird gerade konzipiert.

Und was unterschiedet das CPB davon? Es geht um Projektförderung. Ideen, die über einen längeren Zeitraum realisiert werden können, die unterschiedliche Kostenfaktoren haben, von denen Teile zu verschiedenen Zeitpunkten kostenwirksam werden. Ideen, die Koordination und Organisation erfordern, Liebe zum Detail und den Blick auf das Ganze. Ideen, deren Umsetzung sich niemand ans Bein binden würde, wenn er sie selbst finanzieren müsste und die dennoch wichtige Bausteine sind auf dem Weg Freies Wissen allen zugänglich zu machen.

Eine Idee zu spinnen, sie wachsen zu sehen und ihre Umsetzung eigenständig und auch eigenverantwortlich zu begleiten, das ist das, was meine Idee vom CPB ausmacht.

Welche Rolle spielt der Verein dabei? Er ist Geldgeber, er unterstützt, wenn es nötig ist bei der Antragstellung, bei der Kalkulation, mit seinen Kontakten und Ressourcen. Aber er springt nicht in die Rolle des Projektleiters und übernimmt die Umsetzung. Erstens fehlen ihm dazu die Ressourcen. Die eigene Jahresplanung wird ja nicht über den Haufen geworfen und sie braucht die Mitarbeiter und die Sachmittel. Zweitens bewegen sich die Aktivitäten des Vereins bereits jetzt in einer Breite, die es schwer macht, die Kernkompetenzen überhaupt zu erfassen. Pavels Monatsbericht wird immer länger und das liegt eben auch an der Vielzahl der bereits jetzt durchgeführten Projekte. Und drittens wäre es doch fatal, die Community zu entmündigen und ihnen die Kompetenz abzusprechen, Dinge auch selbst in die Hand zu nehmen. Stattdessen kann Wikimedia Deutschland mit der Förderung dazu beitragen, Kenntnisse und Fähigkeiten in der Community auszubauen, aber eben auch dort verborgene zu aktivieren und zu motivieren. Wer seine Idee umsetzen möchte, erhält die Gelegenheit dazu und kann dabei wichtige Erfahrungen sammeln, sich weiterentwickeln und ganz bewusst und aktiv einen Teil zum großen Ziel beitragen. Wenn das nicht eine ganz konkrete Förderung der Freiwilligen ist, was wäre es dann?

Gerne auch kann das mit einem Honorar verbunden sein. Ein gute Idee darf nicht versanden, nur weil ihre Umsetzung mehr Zeit und Aufwand erfordert, als im Rahmen des ehrenamtlichen Engagements verfügbar ist. Sie darf nicht versanden, nur weil während der dafür benötigten Zeit andere (bezahlte) Aufträge nicht angenommen werden können und sie darf auch nicht versanden, weil während der Umsetzung die Versorgung der Familie sichergestellt sein muss.

Was gebraucht wird
Es geht um Geld, das macht es notwendig, dass Entscheidungen so getroffen und dokumentiert wird, dass auch in einer Rückbetrachtung und Prüfung nachvollziehbar ist, wie sie getroffen wurden. Eine Geschäftsordnung des empfehlenden Ausschusses und Förderrichtlinien, also Kriterien, die auf alle eingehenden Anträge angewendet werden, können das unterstützen und die Mittelvergabe nachvollziehbar machen. Die Entwicklung beider Rahmen kann sinnvoll nur durch den Ausschuss erfolgen. Er ist das Gremium, der die Empfehlungen ausspricht und in dem mit Community- und Vereinsmitgliedern  möglichst viele Interessen vertreten sein sollen. Seine Selbständigkeit und Eigenverantwortung ist gefragt. Aus ihm heraus sollten die Impulse für Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Antragsbearbeitung kommen. Der Vorstand kann beraten und muss den Regelungen auch zustimmen, aber vorgeben kann und sollte er sie nicht.

Was überlegenswert ist
In einer frühen Version des Antrags wurde der Vorstand im Ausschuss durch Vertreter der Ressorts Freiwilligenförderung und Qualität vertreten. Da es um Geld geht und weil mit zwei Vertretern das Gewicht und der Einfluss des Vorstands unnötig erhöht würde, haben wir das verworfen. Der Schatzmeister sollte im Ausschuss vertreten sein. Und das scheint zunächst eine gute Lösung zu sein, denn es geht um Geld. Wer sollte darüber besser Bescheid wissen und mit diesem Wissen den Ausschuss beraten, als der Schatzmeister. Aber das birgt ein Problem, denn es geht um Geld. Was an anderen Stellen, an denen Gelder vergeben werden, eine Selbstverständlichkeit ist, haben wir wie selbstverständlich über den Haufen geworfen: die Trennung der Empfehlung und Vorbereitung einer Mittelvergabe von deren Beschluss. Eine Aufgabe des Schatzmeisters ist das Wachen über die Mittelverwendung. Seine wichtigen Stellungnahmen zu finanziellen Auswirkungen und ordentlicher Verwendung müssen dem Vorstand zur Beschlussfassung zukommen. Auch der Ausschuss kann davon profitieren, keine Frage. Die Doppelfunktion führt in diesem Falle allerdings dazu, dass der Schatzmeister den gesamten Weg der Vergabe maßgeblich begleitet und somit sehr viel Einfluss auf sie ausüben kann. Würde ich das CPB heute initiieren, würde ich aus dem Vorstand einen Vertreter aus dem Ressort Freiwilligenförderung in den Ausschuss berufen, um bei der Prüfung der Anträge eher den Wirkungsgrad und den Einfluss auf die Community und die Wikimedia-Projekte zu berücksichtigen, als die finanziellen Auswirkungen. Letzteres kann der Vorstand mit seinem Beschluss übernehmen.

Wie es weitergeht
Mitte August treffen sich Vertreter des Vorstands und des Ausschusses, um die Probleme anzugehen und die zweite Vergaberunde, die Ende des Jahres stattfinden soll, auf solide Füße zu stellen und die Fortführung zu gewährleisten. Ich wünsche mir, dass es gelingt, gemeinsam die Grundlagen weiterzuentwickeln und die Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen sich alle Beteiligten wiederfinden. Ich wünsche mir, dass im Herbst noch mehr Anträge gestellt werden, die darauf ausgerichtet sind, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Und dann möchte ich mich überraschen lassen. Von den Ideen, von den Menschen dahinter und von den Ergebnissen. Ich bin sicher, das wird gelingen.

Jul 282011
 

Dann reihe ich mich auch ein. Der Rahmen steht, hübscher wird’s vielleicht auch noch.

Während anderswo die Blogwelle verebbt, bekommt sie im Wikim/pedia-Umfeld gerade eine Menge neuer Anhänger. Mal schauen, ob mein Blog und ich im dritten Versuch Freunde werden.